Eine UX-Vision entwickeln

Sammlung von Begriffen während der Entwicklung einer UX-Vision

Die UX-Vision ist ein wichtiges Instrument in der erlebnisorientierten Produktentwicklung und ergänzt die Produktvision um eine Beschreibung des angestrebten Nutzungserlebnisses. Wenn wir das angestrebte Nutzungserlebnis formulieren, können wir auch nicht-funktionale und nicht-wirtschaftliche Ziele leichter verfolgen. Wie auch bei der Produktvision hilft uns die UX-Vision strukturiert ein Verständnis über unsere Vorstellung zu entwickeln und zu formulieren. Hier möchte ich mein Vorgehen beschreiben, wie ich üblicherweise eine UX-Vision in die Produktvision einbette.

Ausarbeitung der UX-Vision

Zwar kann ein Produktmanager oder Product Owner eine UX-Vision auch alleine erarbeiteten, aber wie bei der Produktvision ist es langfristig wertvoller, wenn das gesamte Team an der Visionsentwicklung beteiligt ist. Es sollten all diejenigen an der Ausarbeitung beteiligt werden, durch deren Arbeit das Nutzungserlebnis gestaltet wird. Hierzu zählen übrigens auch die Kollegen, die das Produkt später bewerben sollen, denn durch Werbekampagnien werden Erwartungshaltungen erzeugt.

Wenn Informationen zu Zielgruppen, Nutzungskontext oder andere Aspekte aus den vier Wissensdomänen der Produktentwicklung zur Verfügung, sollten diese noch vorm Beginn miteinander geteilt werden. Alle Teilnehmer sollten soweit wie möglich mit einem ähnlichen Wissen starten. Ansonsten braucht es mehr Zeit und gegebenenfalls mehrere Durchläufe.

1. Sammeln von Adjektiven

Zu Beginn notiert jeder Teilnehmende für sich Zuschreibungen auf Karteikarten oder Klebezetteln. Diese Zuschreibungen sollen Begriffe sein, die ein Nutzer (idealerweise durch eine Persona vertreten) für die Interaktion mit dem Produkt nach der idealen Nutzung verwenden würde. Damit sind besonders Adjektive gemeint und könnten beispielsweise „schnell“, „cool“, „praktisch“ oder ähnlich lauten. Nach meiner Erfahrung reicht hier eine Timebox von fünf Minuten vollkommen aus.

2. Zusammenfassen der Adjektive zu Dimension

Hat jeder Teilnehmende alle Zuschreibungen für sich gesammelt, werden diese den anderen Teilnehmenden reihum vorgestellt. Dopplungen werden so aussortiert und unklare Formulierungen geklärt. Liegen alle Zuschreibungen übersichtlich vor allen Teilnehmenden werden diese gebeten selbstständig aus den Zuschreibungen Gruppen zu bilden. Beispielsweise können „cool“ und „hipp“ aber vielleicht auch „modern“ in einer Gruppe zusammen gefasst werden. Jeder der Gruppen wird danach von den Teilnehmenden benannt. Ab hier wird von Adjektiven zu Substantiven gewechselt und z. B. von „Neuartigkeit“ oder „Nützlichkeit“ gesprochen. Dies hilft im weiteren Sprachgebrauch der Produktentwicklungsorganisation, da man dann von den Dimensionen „Neuartigkeit“ oder „Nützlichkeit“ des Produkts sprechen kann.

3. Priorisieren der Dimensionen

Nachdem die Teilnehmer die Dimensionen definiert und benannt haben geht es an die Priorisierung. Welche der Dimensionen sind unbedingt erforderlich und welche sind optional. Für solche Priorisierungen gibt es eine Vielzahl an Methoden aber für mich hat sich bewährt im Sinne der Kano-Methode zu fragen wie die angestrebten Nutzer es wohl finden würden, wenn das Produkt z. B. „neuartig“ ist und wie sie es finden würden wenn das Produkt gerade nicht „neuartig“ ist. Um nicht zu viele „wichtige“ Dimensionen zu erhalten, empfehle ich maximal fünf auszuwählen.

4. Statements der UX-Vision formulieren

Durch die Reduktion auf wenige, wichtige Dimensionen ist die Vorarbeit für das Formulieren eines Statements geschaffen. Aus wichtigen Dimensionen wie „Neuartigkeit“ oder „Intuitiv“ kann z. B. „Unsere Nutzer sollen das Produkt als neuartig und intuitiv“ werden. Gibt es bereits eine Produktvision mit einem Product Vision Statement kann man diese Begriffe dort integrieren. Meist lassen sich Adjektive gut in einem Spruch einbinden. Beispiel: „Unser Produkt ist für Büchersammler eine neuartige und intuitive Unterstützung für die Katalogisierung der eigenen, privaten Büchersammlung.“

UX-Vision fertig; wie geht’s weiter?

Die entwickelte UX-Vision kann nun bei der Produktplanung und beim Controlling helfen. Für die Planung ist es ratsam die einzelnen Arbeitspakete (z. B. Product Backlog Items) danach zu bewerten, welchen Einfluss sie auf welche Dimension der angestrebten UX haben. Für das UX-Controlling setzen wir uns Ziele im Rahmen der UX-Vision und versuchen sie durch eine kontinuierliche Erhebung zu „überwachen“. Die Erkenntnisse aus der regelmäßigen Evaluation fließen dann als Faktor in die weitere Planung ein. Ist eine Dimensionen zu gering, können wir jetzt andere Arbeiten höher priorisieren und die entdeckten Defizite kompensieren.

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