Sei dein eigenes Produkt! – Weiterentwicklung für Product Owner

Um erfolgreiche Produkte zu entwickeln brauchen wir die richtigen Methoden und Artefakte. Wenn wir etwas für unsere persönliche Weiterentwicklung machen wollen, braucht es ebenso die richtigen Techniken. Manchmal reicht zwar ein einfaches Treiben lassen aber für eine wirklich gezielte Entwicklung fehlt dann doch viel zu oft das richtige Handwerkszeug. Dabei haben gerade Product Owner durch ihren beruflichen Alltag viele Methoden zur Produktentwicklung an der Hand. Wenn wir diese Methoden nun auf die eigene, persönliche Entwicklung beziehen, wird ein Product Owner zum eigenen Produkt.

Die Vision der persönlichen Weiterentwicklung

Wie auch bei der Vision eines Produkts gilt es bei der persönlichen Vision zu formulieren, welche Aspekte tatsächlich angestrebt werden sollen. Die vier Wissensdomänen der Produktentwicklung gelten auch hier. Obwohl man sich selber als Zielgruppe definieren kann, ist es doch viel spannender zu wissen, für wen man durch seine berufliche Tätigkeit einen Mehrwert erzeugen möchte. Diese Personen sind also die echten Nutzer (oder eher Nutznießer), über die man sich Gedanken machen sollte. Bei der persönlichen Vision ist es besonders wichtig, eine starke persönliche Verbundenheit zur Zielgruppe zu fühlen. Es können zum Beispiel diejenigen sein, deren Anerkennung man besonders schätzt oder für die man gerne etwas Gutes tut.

Die persönliche Vision hilft darüber hinaus sich zu seinen Kollegen und „Mitbewerbern“ (im Sinne der Produktentwicklung) abzugrenzen. Sie hilft den eigenen Platz zu finden. In welcher Art und Weise möchte man sich vom Rest absetzen? Will man sich überhaupt absetzen oder ist es in Ordnung eine vergleichbare Rolle und Position wie andere einzunehmen? Nicht jeder muss sich unbedingt von allen anderen absetzen und es ist in Ordnung, sich eine eigene, zufriedenstellende Rolle zu suchen.

Wie Produktvisionen darf sich die persönliche Vision auch im Laufe der Zeit weiter verändern. Verändert sich die Umwelt oder das persönliche Empfinden ist es natürlich und angemessen die eigene Vision zu überarbeiten. Der Kontext verändert sich nun einmal gelegentlich. Es geht ja eigentlich auch gar nicht darum eine spezifische Vision zu realisieren und mit allem Handeln den angestrebten Zustand unbedingt zu erreichen. Wichtig ist die Vision als Nordstern für die richtige Richtung. Nach jedem Schritt darf man hinterfragen, ob die Richtung noch stimmt.

Das Backlog der persönlichen Weiterentwicklung

Von der persönlichen Vision gehen einzelne, notwendige Schritte aus, die als einzelne Items im persönlichen Product Backlog organisiert werden können. Für jedes Product Backlog Item muss man sich dann die Fragen stellen, wie relevant ist dieser für meine Vision, wie groß ist der Aufwand um diesen Schritt zu gehen, wie viel bringt dieser Schritt mir bei der Erreichung meiner Ziele und wann genau kann ich diesen Schritt als abgeschlossen betrachten. Ich persönlich finde es hilfreich bei einigen Items Akzeptanzkriterien aufzuschreiben. In regelmäßigen „Refinements“ erarbeite ich mir dann die Antworten auf die vorgenannten Fragen. Wer das Konzept des inneren Teams von Schulz von Thun kennt, wird hier sicherlich ein paar Analogien finden, denn in einem solchen Refinement kommen die Mitglieder des Teams manchmal zum Vorschein.

Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich die Art und Weise der Priorisierung an die eigene Emotionalität zu koppeln. Es ist möglich nach Nutzen im Verhältnis zum Aufwand zu priorisieren, aber durch die Emotionalität der persönlichen Entwicklung ist es notwendig, dass sich die Reihenfolge für den Product Owner auch gut anfühlt. Klingt vielleicht esoterisch aber hat einen wichtigen Kern. Wenn bisher ungeplante Maßnahmen (z.B. durch Feedback) auftauchen und im Backlog eingeordnet werden, darf und muss die Reihenfolge überarbeitet werden, solange bis man ein für sich stimmiges Bild entwickelt hat. Man ist schließlich für seine persönliche Weiterentwicklung selber verantwortlich und muss mit dem Produkt lange leben (hoffe ich zumindest).

Planning der Weiterentwicklung und Sprintlänge

Wie in der Zusammenarbeit mit einem Entwicklungsteam kann die persönliche Weiterentwicklung in Iterationen eingeteilt werden. Mit dem wichtigsten Item aus dem Backlog beginnend, wird die persönliche Entwicklung angestoßen und in regelmäßigen Iterationen kritisch reflektiert. Es ist zu empfehlen, sich nicht zuviele Entwicklungschritte auf einmal vorzunehmen, da jeder Schritt zu neuen Erkenntnissen über das Produkt, also einen selbst, führt. Die Länge der Iteration hängt auch ganz von den eigenen Möglichkeiten ab. Jahresiterationen wären mir zu lang aber mit einem Monat als Länge komme ich gut zurecht. Dadurch habe ich eine realistische Möglichkeit mein Sprintbacklog abzuarbeiten und einen spürbaren Unterschied zu erarbeiten.

Die private Retrospektive

In festen Zeitabschnitten sollte jeder die persönliche Weiterentwicklung kritisch reflektieren. Hierfür kann einfach ein Notizbuch (ich persönlich habe mir eines mit Prägung besorgt) genutzt werden, indem eine kleine, persönliche Retrospektive durchgeführt wird. Einfache Techniken reichen meist, da man keine Gruppe einschwingen muss. Ich persönlich nutze eine Starfish Retrospektive und erarbeite mir maximal zwei Maßnahmen pro Iteration, die ich mir fest vornehme.

Schlusswort

Die persönliche Weiterentwicklung zu steuern mag sowohl attraktiv aber auch abschreckend wirken. Ziele zu verfolgen kann zusätzlichen Druck erzeugen. Aber um es noch einmal zu betonen: Es geht nicht darum sein Ziel (was vielleicht in fünf Jahren liegt) wirklich zu erreichen. Vielmehr geht es um bewusste Schritte in eine bestimmte, klar gesehene Richtung. Die Wahrscheinlichkeit ein soweit entferntes Ziel tatsächlich zu erreichen ist eher gering. Es geht weniger um den Plan als vielmehr um das Planen. Das ständige Besinnen darauf, welche Schritte für die persönliche Entwicklung keine Relevanz haben, hilft mit der eigenen Lebenszeit und insbesondere der eigenen Motivation nachhaltig umzugehen. Es geht schließlich auch immer darum die Menge an nicht getaner Arbeit zu maximieren.

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